whereabout: Detroit, MI
next stop: Boston, MA

  
The Diary


Montag, 19. September 2005 | Detroit, MI | GMT-5
Irgendwie fällt es mir in letzter Zeit schwer, einen vernünftigen Anfang für meine Berichte zu finden. Ich sitze gerade im Auto auf dem Weg nach Detroit und überlege, wie ich euch mitteile, dass ich gestern einfach keine Lust mehr hatte, einen Bericht zu schreiben. Dabei gibt es eigentlich viel zu erzählen...

Unser Tag fing diesmal etwas später an als sonst, wir haben erst um 9 Uhr gefrühstückt. Gegen 10 Uhr ging es dann los in die Stadt, wobei wir uns ein bisschen geärgert haben, dass wir die Wahl nicht verfolgen konnten (in Deutschland war es gerade 17 Uhr). Der Weg von unserem Hotel nach Chicago ist ganz schön lang und da auf der Strecke selbst am Sonntag Stau ist, haben wir mal wieder in etwa eine Stunde dafür gebraucht. Wir sind zunächst zu "unserem" Parkhaus gefahren, das am Wochenende nur $6 für den ganzen Tag kostet. Aber kurz davor haben wir einen freien Parkplatz am Straßenrand gesehen und uns durch mehrfachen Blick auf die Schilder davon überzeugt, dass dort am Sonntag kein Parkverbot gilt. Wir hätten trotzdem besser im Parkhaus parken sollen...

Da die kostenlosen Trolleys am Sonntag erst ab Mittags fahren, sind wir erstmal zum Grant Park gelaufen und haben uns die Buckingham Fountain angeschaut. Das ist ein etwas größerer Springbrunnen mit duzenden von Düsen, die alle fröhlich Wasser durch die Gegend spritzen. Gekrönt wird das ganze von einer Düse in der Mitte, die das Wasser mehrere Meter hoch in die Luft schleudert. Vor drei Jahren habe ich die Fountain schon im Dunkeln gesehen, wenn sie von mehreren Scheinwerfern angeleuchtet wird, und ich muss sagen, das gefiel mir besser. Anschließend sind wir weiter zum Shedd Aquarium gelaufen, aber da der Eintritt pro Person $23 kostet, sind wir doch besser draußen geblieben. Nicht weit vom Aquarium ist das Footballstadion, in dem gestern offensichtlich ein Spiel stattfand. Jedenfalls sind uns Scharen von Leuten entgegengekommen und man hat das Gejubel der Menge ziemlich weit gehört. Ich muss sagen, ich hätte zwar keine Lust in der prallen Sonne im völlig offenen Stadion zu sitzen, aber ein Footballspiel würde ich mir irgendwann doch mal ganz gerne angucken.

Vom Grant Park ging es per Trolley Richtung Norden zum Historic Water Tower, dem einzigen Gebäude, das den großen Brand von 1871 überstanden hat. Damals wurde quasi die komplette Innenstadt ausgelöscht, mehrere tausend Häuser wurden zerstört. Das Problem war, dass selbst die Bürgersteige aus Holz waren... Nicht weit davon entfernt steht das zweitgrößte Gebäude in Chicago: das John Hancock Building. Es hat natürlich auch ein Observatory, dieses befindet sich aber "nur" im 94. Stock. Allerdings ist die Aussicht von dort eigentlich schöner als vom Sears Tower, denn das Gebäude steht ziemlich nahe am Lake Michigan und so hat man einen herrlichen Blick über die Stadt auf der einen Seite und den See auf der anderen.

Und dann begann der nervenaufreibende Teil des Tages. Wir wollten uns zum Abschluss noch den kostenlosen Lincoln Park Zoo anschauen. Da dieser ein ganzes Stückchen weiter nördlich liegt und die kostenlosen Trolleys leider nur in den Ferien dorthin fahren, sind wir zurück zu unserem Auto gelaufen um damit zum Zoo zu fahren. Irgendwann standen wir schließlich an der Stelle, an der unser Auto hätte sein müssen, nur von diesem war nichts zu sehen. Ich wollte das erst überhaupt nicht glauben und habe mich mehrfach davon überzeugt, dass wir an der richtigen Stelle stehen. Aber es gab keinen Zweifel, unser Auto war weg. Wir haben nochmals auf die Schilder geguckt und sind wie zuvor auch zu dem Schluss gekommen, dass man Sonntags dort parken darf. Allerdings ist uns aufgefallen, dass wir direkt neben einem Wasserhydranten geparkt hatten...

An der nächsten Kreuzung standen zum Glück ein paar Polizisten herum (wie an so vielen Kreuzungen in größeren Städten), die wir mal gefragt haben, was wohl mit unserem Auto passiert sein könnte. Ich muss sagen, die beiden waren wirklich ausgesprochen nett. Wir hatten uns schon Sorgen um einen Diebstahl gemacht, aber die Polizisten haben erstmal darauf getippt, dass wir abgeschleppt wurden. Freundlicherweise hat einer von beiden sogar für uns bei der zuständigen Stelle angerufen und nachgefragt. Wie sich herausstellte, wurde unser Wagen tatsächlich abgeschleppt und unser freundlicher Helfer hat uns auch gleich die Adresse genannt. Wir mussten also wieder in die andere Richtung, sind das erste Stück zu Fuß gegangen und haben uns schließlich ein Taxi für den Rest genommen. Das war auch gut so, denn das Lager ist ganz schön versteckt. Das hätten wir alleine niemals gefunden, der Taxifahrer wusste aber genau, wo wir hin müssen (hat mich direkt gefragt, ob wir unser Auto abholen würden).

Die Leute in dem Lager waren nicht ganz so freundlich. Der Kerl an der Empfangstheke hat uns ohne Begrüßung erstmal einen Wisch auf den Tisch geklatscht und gesagt, wir sollen den ausfüllen. Im Endeffekt konnte man aber doch vernünftig mit ihm reden und es stellte sich heraus, dass wir tatsächlich abgeschleppt wurden, weil wir zu nah am Wasserhydranten geparkt hatten. Der ganze Spaß hat uns $160 gekostet, $150 fürs Abschleppen und $10 für die Lagerung. Wir hatten nur Glück, dass wir gerade soviel Geld bei uns hatten, denn eine Zahlung per Kreditkarte wird nur vom eingetragenen Fahrer des Wagens akzeptiert und dazu hätten wir die Unterlagen von Hertz dabei haben müssen, die aber natürlich im Hotel lagen. Mich hat die ganze Sache tierisch genervt, aber meinen Eltern schien das gar nicht so viel ausgemacht zu haben. Die waren nur froh, dass wir unser Auto so relativ einfach wieder zurückbekommen hatten.

Der Besuch im Zoo hatte sich damit erledigt und so sind wir zurück Richtung Hotel gefahren. Da ich endlich mal vernünftig bei Pizza Hut essen wollte (nicht nur in einem Pizza Hut Express) hatte ich vorher schon im Internet nach einem richtigen Pizza Hut in der Nähe unseres Hotels gesucht. Den zu finden stellte sich aber als gar nicht so einfach heraus und als ich die Hoffnung schon aufgegeben hatte, haben wir das Restaurant schließlich doch noch gefunden und mit einem ausgiebigen Essen den Tag abgeschlossen.

Heute morgen ging es weiter nach Detroit. Diese Stadt ist der totale Gegensatz zu den anderen, die wir bereits gesehen haben. Hier ist einfach gar nichts los. Downtown Detroit scheint außerdem voll von Parkhäusern zu sein. Das einzig Interessante ist das Renaissance Center, General Motors Global Headquarters. Aber selbst dort gibt es nicht viel zu sehen, immerhin befinden sich unten eine Reihe von Fastfood Restaurants. Morgen werden wir uns noch das Ford Museum anschauen und anschließend mal wieder die Nacht durchfahren nach Boston.

der Sears Tower


die Buckingham Fountain


der Grant Park mit dem Sears Tower im Hintergrund